Innehalten

Die Ferienzeit ist für viele auch die Urlaubszeit. Endlich die Dinge tun, die man sich schon das ganze Jahr vorgenommen hat, oder die es endlich zu erledigen gilt. Für die einen Spaß, Entspannung und das Leben genießen, für die anderen, aufgeschobene Arbeiten erledigen, Projekte umsetzen, die auch mit viel Mühe verbunden sind.

Egal was für Sie im Urlaub ansteht, eines sollte eingeplant werden: Zeit um stehen zu bleiben und sich im eigenen Leben umzusehen.

Bin ich auf dem Weg, den ich gehen möchte? Lebe ich noch meine Prioritäten, meine Werte, die mir wichtig sind? Habe ich das Gefühl, mein Leben zu gestalten, oder laufe ich meinem „eigentlichen“ Leben hinterher?

Sie können sagen, dass diese Fragen dann gestellt werden können, wenn die Zeit dafür reif ist. Ich dagegen meine, dass wir nicht übersehen sollten, dass diese Fragen ein späteres Scheitern in der eigenen Lebensgestaltung verhindern können.

Wenn ich weiß wozu ich diese oder jene Aktivität, Entscheidung, getan/getroffen oder unterlassen habe, dann gestalte ich mein Leben aktiv. Tue ich das nicht, wird mein Leben schnell zu einer Farce. Alles wird zur Last. Mein Umfeld, meine Mitmenschen, meine Familie, meine Arbeit erscheinen leer. Das Gefühl des Scheiterns und der Orientierungslosigkeit kommt auf.

Heute wird der Begriff „Burnout“ für diesen psychischen, aber auch sich körperlich manifestierenden, Zustand verwendet.

Viktor Frankl verwendete schon früh den Begriff des „existentiellen Vakuums“ für dieses „leere“ Menschsein.

Wenn der Mensch über längere Zeit handelt, ohne dass er darin einen Sinn für sein Leben erkennt, wird er dessen müde. Es kommt zur Frustration, die soweit geht, dass sie die Lebensgestaltung hemmt oder sogar lähmt. Die Sinnlosigkeit nimmt überhand. Man wird handlungsunfähig. - Von aktiver Lebensgestaltung kann nicht mehr die Rede sein.

Hier ist jener Punkt überschritten, wo wir allein unser Leben wieder konstruktiv überdenken, neu formen können. Hier braucht es dann professionelle Hilfe durch eine psychiatrische und therapeutische Hilfestellung.

Um dies zu vermeiden, möchte ich das bewusste Innehalten empfehlen. Sich zurück ziehen für einen oder mehrere Tage, um bewusst Aktivitäten zu setzen, die Sie wieder zurück zu Ihrem Empfinden, Ihrer Körperlichkeit und klarem Kopf führen können. Zeit im Wald, an einem See, auf einem Berg oder auch in einem anderen Land, wo der Alltag nicht so nahe erscheint. Ohne Lärm, Kopfhörer oder Social Media. Einfach Mensch sein, ohne etwas leisten zu müssen. – Ich hoffe das können Sie noch!

Sollte Ihnen das bereits schwerfallen, empfehle ich dies in Begleitung zu tun. Beispielsweise bei Exerzitien. Ob schweigend oder mit Vorträgen - einzig wichtig ist, dass Sie wissen, Sie sind in einen Weg eingebunden, der „Sinn“ macht. Somit fällt es leichter beim Innehalten zu bleiben.

Oder Sie versuchen einen Pilgerweg. – Der Weg ist das Ziel. Auf dem Weg zu einem Ziel kann im Inneren viel verarbeitet werden. Zu übersehen ist dabei aber nicht, dass das Ziel einem den Grund, oder auch die Sicherheit gibt, um sich in Ruhe auf die innere Reise zu begeben.

Innehalten bedeutet nicht zwingend stundenlang in sitzender Position zu meditieren. Innehalten bedeutet das was in mir ist, was mich umgibt, wieder bewusst wahrzunehmen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer - ein Leben - mit Momenten des Innehaltens!